Grosser Lärm

By:  Kafka, Franz ,
Read for free on Oodles App

Description:

Source: http://gutenberg.org

Copyright: This work is in the public domain in the USA only.

Der Bau ist eine 1923–1924 entstandene, unvollendete Erzählung von Franz Kafka. Sie schildert den vergeblichen Kampf eines Tieres um die Perfektionierung seines riesigen Erdbaues zum Schutz vor Feinden. Die Erzählung handelt von der Verstrickung in die zwanghafte Beobachtung einer selbstgeschaffenen labyrinthartigen Anlage, die zunehmende Paranoia erzeugt. Der Ich-Erzähler, ein nicht näher bestimmtes, dachsähnliches Tier, hat sich einen vielfältig gestalteten unterirdischen Bau errichtet. Er dient als Schutz und gut bestückter Vorratsraum. Das Tier wird beherrscht von der Vorstellung, sich gegen einen wie auch immer gearteten Feind durch eine Optimierung des Baues schützen zu können. Zunächst ist das Tier sehr zufrieden in seinem Bau. Es schlummert häufig friedlich darin und frisst von seinen Vorräten, aber auch vom Kleingetier, das mit im Bau haust. Besonders die Stille empfindet es als wohltuend. Allerdings gibt es zwei Bereiche des Baues, die ihm Sorgen machen: Der „Burgplatz“ und der Eingang. Auf dem „Burgplatz“ ist die Hauptmenge der Vorräte gelagert. Deren Verteilung scheint ihm aber ungünstig. Es sollten mehrere Burgplätze zur Verteilung der Vorräte vorhanden sein, aber das Tier sieht sich von der erforderlichen Bauarbeit überfordert. Der mit Moos bedeckte Eingang erlaubt kein unbemerktes Ein- und Aussteigen. Das Tier vollführt verschiedenste Prozeduren, wie Anlegen von Forschungsgräben und Zusatzgängen, beobachtet tagelang von außen den Eingang. Es findet aber keine Lösung, die sein Sicherheitsbedürfnis befriedigen würde. Das Geräusch Nach einer der häufigen Schlafphasen erwacht das Tier und bemerkt ein Geräusch, ein kaum hörbares Zischen. Von nun an wendet das Tier hoffnungsvoll seine ganze Energie und Aufmerksamkeit darauf, die Ursache zu finden und abzustellen. Diese Hoffnung trügt. Das Tier bemerkt, dass das Geräusch nicht zu orten ist, vielmehr ist es an jedem Ort des Baus gleich laut zu hören. Das Tier kann dieses Geräusch nicht einem konkreten Feind zuordnen, dennoch ist es besessen davon. Es schläft nicht mehr und isst kaum noch. Wie unter Zwang versucht es, Näheres über das Geräusch herauszufinden. Aber das Geräusch entzieht sich hartnäckig jedem Zugriff. Der letzte Satz, mit dem die Erzählung abbricht, lautet: „Aber alles blieb unverändert, das –“. Dieser Satz steht am Schluss einer Seite, was vermuten lässt, dass Kafka noch mehr geschrieben und einen Schluss verfasst hat. Um die Erzählung damals jedoch als abgeschlossen veröffentlichen zu können, änderte Max Brod den vermeintlich letzten Satz um in: „Aber alles blieb unverändert.“ Bereits die ersten Sätze umreißen die ganze Erzählung und den Zustand des Tieres: „Ich habe den Bau eingerichtet und er scheint wohlgelungen. Freilich manche List ist so fein, dass sie sich selbst umbringt, das weiß ich besser als irgendwer sonst .“ So entwickelt sich ein monologischer, zunehmend besessener Sprachstrom bis zum Ende. Ein Tier, dessen Streben Absicherung, Nahrungsüberfluss und Behaglichkeit ist (was sich mit Biedermeier und Kleinbürgertum assoziieren lässt), hat sich einen labyrinthischen Erdbau geschaffen, der diese Bedürfnisse zu befriedigen scheint. Gewisse Mängel des Baues beunruhigen zwar, trotzdem fühlt sich das Tier symbiotisch mit ihm verbunden. Das Tier wird tatsächlich nie – wie immer befürchtet – wirklich angegriffen, weder beim Ein- oder Aussteigen, noch im Inneren seines Baues. Ein kaum wahrnehmbares, unerklärliches Zischen kommt zwar nicht näher, scheint aber allgegenwärtig zu sein, ohne dass das Tier einen Bezug zu ihm selbst erkennen kann. Gerade die offensichtlich mangelnde Kausalität des Geräuschs ruft in dem Tier zunehmend eine tiefe paranoide Panik hervor. Die bisherigen Mechanismen seiner rational-technischen Überlegungen zur Verbesserung des Baues gehen nun ins Leere.